Startseite > Nepi > IKEA gesteht Zensur in Russland ein

IKEA gesteht Zensur in Russland ein

21. November 2013

ikeaAch Gott, was ist nur aus Ikea geworden? Der sonst soooo tolerante, weltoffene Schwede, der seine Möbel mit jeder Randgruppe bewirbt, ist auf einmal ganz zugeknöpft. In Russland wurde nun in der Werbung ein lesbisches Pärchen gleich ganz unterschlagen, da man ja sonst mit den homo-diskriminierenden Gesetzen des Putin-Regimes in Konflikt geraten wäre.

Spiegel-Online und queer.de haben in den vergangenen Tagen dazu ausführlich berichtet – heute sprangen andere Online-Magazine und Zeitungen auf. Seit gestern Abend laufen auf der IKEA-Facebook-Seite Proteste von IKEA-Fans… Und was macht die FB-Redaktion? Das eigentlich Richtige, sie antwortet auf die Fragen und Beschimpfungen. Allerdings in einer Art, die neue Fragen offen lässt – zumal alle „Protestler“ die gleiche, weichgespülte – juristisch sauber formulierte – Antwort erhalten:

Hej Jens, IKEA heißt selbstverständlich alle Menschen willkommen! Der im November 2013 veröffentlichte Artikel in unserem IKEA FAMILY live Magazin handelt von zwei Frauen, die mit ihrem Kind in England leben. Er konzentriert sich auf die Herausforderungen, die sie im Alltag haben und darauf wie sie auf kleinem Raum ihren Alltag organisieren. In einigen Ländern verbietet uns die dortige Gesetzgebung die Veröffentlichung des Artikels. In Russland ist dies Artikel 6.21 des Gesetzbuches der Russischen Föderation über Ordnungswidrigkeiten, welcher die Werbung für nicht-traditionelle sexuelle Beziehungen verbietet. Wir folgen den Gesetzen und Vorschriften in den Ländern, in denen IKEA tätig ist. Wir denken, dass wir innerhalb des gesetzlichen Rahmens unseren Werten entsprechend handeln können und dass wir langfristig einen positiven Einfluss auf die Gesellschaft in diesen Ländern haben werden! Viele Grüße, dein IKEA Facebook Team

Alter Schwede! Nach dieser Lesart wird IKEA immer alles tun, damit die eigenen Geschäfte nicht gefährdet werden. Was ja für eine Firma auch völlig legitim ist. Allerdings nicht, wenn man sich mit diesem welt-toleranten Anspruch verkauft, wie IKEA es tut. Verbieten die immer intoleranter werdenden Russen als nächstes blonde Haare, wird IKEA also alle Haare der Mitarbeiter umfärben lassen? Sind Bilder aus der Ukraine nicht mehr gewünscht, fliegen die dann aus der Werbung? Wird per Gesetz Frauenarbeit verboten – werden die Mitarbeiterinnen gefeuert. Oder? Vor allem gegen dieses schwachsinnige, nicht nachvollziehbare und vor allem diskriminierende homophobe Gesetz aus Russland hätte ich von einer Firma wie IKEA mehr Widerstand und Protest erwartet. Im übrigen wird jakeine lesbische Lebensweise „propagiert“, sondern nur der Lebensalltag abgebildet – ohne dafür zu werben.

Hallo IKEA, etwas mehr Ehrlichkeit wäre schön. Macht Euer Geschäft, wie Ihr es machen wollt – auch mit den Russen. Aber dann werbt bitte nicht mehr in Deutschland mit Lesben, Schwulen und anderen „bunten“ Menschen!