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Facebook-Gefahr: Timeline weiß „alles“

1. Februar 2012

Langsam nervt es nur noch. Immer mehr Politiker (und welche die es sein wollen), äußern sich zu Facebook und malen den Schwarzen Peter an die Wand. Die neue „Timeline“ sei sooo gefährlich und würde den Datenschutz überall verletzten, dass man eigentlich nur schreiend aus dem Netzwerk verschwinden sollte. Heute äußert sich sogar die CDU-Fraktion aus dem Sächsischen Landtag und warnt vor Facebook. Mit Argumenten, die man eigentlich auf Facebook (offen!) posten sollte…

Der sogenannte „verbraucherpolitische Sprecher“ (Sebastian Fischer) schreibt, dass das bislang freiwillige Angebot nun zwangsweise umgesetzt wird und die „Lebenslinie“ jetzt einen virtuellen Lebenslauf darstellt. „Die „Lebenslinie“ droht die Nutzer zu gläsernen Menschen zu machen. Geradezu unverschämt vom Facebook-Konzern ist es allerdings, für diesen Entscheidungsprozess den Facebook-Nutzern nur sieben Tage Zeit zu lassen und die Umstellung zwangsweise durchzuführen. Das alles bestätigt mich wieder einmal mehr in der Einschätzung, dass ein volles Zugriffs- und Kontrollrecht unserer Daten im Netz vom Facebook-Konzern nicht gewünscht ist.“ Und sein medienpolitischer Kolege Sebastian Gemkow ergänzt: „Wer weiterhin selbst bestimmen möchte, welche Daten für die anderen Nutzer sichtbar sind, hat neben der Löschfunktion auch die Möglichkeit, nur die aktuellsten Einträge auf der Pinnwand zu veröffentlichen…“ Wenn man dann noch die „facebook-kompetenten“ Kommentare von Ilse Aigner (CSU) im Bund hört, wird einem ja Angst und Bange.
Doch nun mal Butter bei die Fische! Mal wieder zeigt es sich, nicht jeder der bei Facebook ist, hat begriffen wie es funktioniert. Denn sonst wüssten auch Unions-Politiker, dass Facebook nichts einfach veröffentlicht. Jede Meldung, jeder Post, jeder Kommentar, jedes Bild muss erst mal eingegeben und veröffentlicht worden sein. Dies mache ich als Nutzer bewusst. Wer alles offen und für jeden sichtbar postet, hat es früher schon getan. Wer nicht, der wird es auch jetzt nicht tun. Ganz einfach.

Die Timeline oder Chronik (deutsch) ist erstmal keine Lebenslinie. Denn Kinderbilder, Schulfotos und erste Partner erscheinen nicht automatisch, auch die muss man erstmal eingegeben haben. Ein „gläserner Mensch“ wird man also nicht – erst Recht nicht durch eine Layout-Umstellung! Was man bisher im Profil sah, sieht man jetzt (besser angeordnet und leichter navigierbar) in der Timeline. Nicht mehr und nicht weniger. Und die kurzen sieben Tage… Nein, dass sind sie auch nicht. Die Timeline wird seit November ausgerollt, jeder konnte sie sich schon vorher holen. Da man nicht zwei Systeme (Layouts) nebeneinader fahren will, bekommt sie nun jeder. Die sieben Tage, liebe CDU-CSU, sind dafür gedacht, dass jeder Nutzer sie ein bisschen aufhübschen kann, wenn er will. Wenn nicht, kann man das alles auch später oder eben gar nicht machen. Und jeder hat die Möglichkeit Posts / Fotos zu entfernen oder hinzuzufügen, was vorher nicht so leicht ersichtlich war. Insoweit ein eigentlich netter Zug von Facebook…

Ach ja, die fiese personenorientierte Werbung… Mmmh, die gibt es bereits seit Jahren. Daran ändert sich auch nichts. Und mal ehrlich: Facebook ist nicht die Wohlfahrt. Ein Privatunternehmen will Geld verdienen. Dass sollte doch der CDU klar sein? Alternativ könnten ja Gebühren erhoben werden. Aber den Aufschrei will ich mal hören. Dass so eine Debatte von der CDU angestoßen wird, ist schon obskur.

Aber es ist sooo einfach, in den Chor der Warner einzustimmen und alles zu verdammen, was man nicht versteht. Da passt die Sachsen-CDU-Fraktion mit rein. Wenn man es nur sonst mit dem Datenschutz von Personen (Handyabhören) so genau nehmen würde?! Aber dies ist ja ein gaaanz anderes Thema, was ja gar nix mit Facebook und dem bösen US-Konzern zu tun hat. Hallo? Bei Facebook bestimme ich, was ich an Daten poste, wann und warum!

Wenn allerdings die Furcht von Herrn Fischer, Gemkow so groß ist, hier ein Tipp: Löschen! Auf den Websiten der entsprechenden Fraktionen erfährt man übrigens über die Herren viel mehr als bei Facebook… Böse Fraktionsseiten. Sofort verbieten. Zumindest sollte man aber vor den Seiten öffentlich warnen!

Ach ja, eine gute Zusammenfassung zur Timeline, wer sie denn benötigt, hat die Süddeutsche Zeitung veröffentlicht.

Übrigens: Sebastian Fischer hat die Timeline noch gar nicht, kennt sie aber offenbar aus dem FF. Und: Schon jetzt kann man bei ihm auf der Seite nachlesen, dass er auf die „HotBananas“ steht, Thilo Sarazzins Buch mag, Schlesien- und Ostpreußen-Fan ist, die „Kochazubis“ im TV schaut (wenn er nicht seinen Lielingssender VIVA sieht) und in der „Bäckerei Müller“ in Thiendorf einkauft… Na, wenn das mal die Timeline toppen kann?

  1. Fabiano
    16. Februar 2012 um 14:54

    Guter Blog, gefaellt mir super. Auch nette Themen.

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