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Eurostreit: Was die Griechen getan haben!

3. November 2011

„Wir haben in freundschaftlicher Atmosphäre miteinander gesprochen“, sagt Kanzlerin Angela Merkel (CDU), als sie tief in der Nacht vor die Kameras tritt. Der Blick ist kalt. Kein bisschen freundlich. Der griechische Premier Papandreou ist bereits durch den Hinterausgang verschwunden. Zum offiziellen Pressetermin darf er nicht. Rüde, unwirsch und frech seien die Staatschefs mit ihm umgegangen, erzählen Beobachter am Rande. Eine Stunde habe er zuvor warten müssen, ehe er an der Euro-Runde teilnehmen durfte. Was um Himmels Willen hat der Grieche nur angestellt, dass er so behandelt wird???

Hat er das Rentenalter der Griechen auf 40 Jahre gesenkt? Hat er neue Schulden angehäuft, weil er Steuern gesenkt hat? Hat er mehr Beamte angestellt? Die Armee aufgerüstet? Etwa die Kanzlerin beleidigt? Nix von alle dem. Er hat Anfang der Woche nur gesagt, dass er sein Volk abstimmen lässt. Abstimmen lässt, über eine so weitreichende Entscheidung, dass sie das gesamte Land verändern wird. Damit ist er aus den von Deutschland und Frankreich gesteckten Spielregeln ausgebrochen.

Warum? Die eigene Mehrheit im Parlament ist Papandreou fast abhanden gekommen. Rechnerisch beträgt sie noch zwei Stimmen, doch den Härtetest würde sie nicht mehr bestehen. Die Regierung wäre am Ende. Alles, was beschlossen ist, wäre fraglich. Dann doch lieber das Volk befragen. Was seit zwei Jahren täglich neue Entbehrungen schlucken muss. Massenarbeitslosigkeit, Gehaltskürzungen, Preiserhöhungen und vieles mehr hingenommen hat. Dieses Volk soll nun selbst über sein Schicksal entscheiden. Ob es den Weg weitergehen will und kann oder doch lieber einen anderen Versuch unternimmt. Einen ohne Euro. Einen, der gewiss auch nicht leichter wird.

Doch der Kanzlerin gefällt das nicht. Die Griechen hätten ohne Absprache gehandelt. Als müsste ein souveräner Staat die Deutschen um Erlaubnis fragen, ob er sein Volk befragen darf? Dass wäre so, als wenn sich Italien, Bulgarien oder England in deutsche Innenpolitik einmischen würden. Da wäre aber was los in Deutschland!

Aber „die“ Griechen haben ja beschissen. „Die“ Griechen machen mit unserem Geld Party. „Die“ Griechen verprassen „unsere“ sauer verdiente Kohle. Klar. „Die“ Griechen sind nämlich die Regierung, die bis vor wenigen Jahren eher korrupt als gesetzestreu war. „Die“ Griechen sind genau diese Regierung wie „wir Deutschen“ unsere Regierung sind. Sie gehen aller vier Jahre zur Wahl und können nur vertrauen, dass sie gut regiert werden. Wie wir. Dem einfachen Volk – welches genauso veralbert wurde wie der Rest Europas – nun die Schuld in die Schuhe zu schieben ist einfach nur ärmlich. Diese Griechen sind schon gestraft genug und ich möchte nicht mit ihnen tauschen müssen. Und wenn nun schon mal das Volk tatsächlich das Wort bekommen soll, soll man es ihm auch lassen. Gerade in dieser alles entscheidenden Phase. (Das nicht für jeden Pillepalle eine Volksabstimmung anberaumt wird, ist logisch. Dafür gibt es Volksvertreter. Aber in existenziellen Fragen ist das mehr als legitim!)

Doch mal ganz nüchtern. Was hat Papandreou dann nun getan? Er befragt das Volk. Schlichtweg, den Demos. Demokratie (griechisch Δημοκρατία, von δῆμος [dēmos], „Volk“, und κρατία [kratía], „Herrschaft“) bezeichnet einerseits das Ideal einer durch die Zustimmung der Mehrheit der Bürger und die Beteiligung der Bürger legitimierten Regierungsform, der „Volksherrschaft“.

Eigentlich sollte dies bei weitreichenden Entscheidungen immer der Fall sein und keinen Streit auslösen. Erst recht keine Erpressung: Denn heute Nacht wurden die weiteren Griechenland-Hilfen eingefroren. Nach dem Motto, nur wenn ihr zustimmt, dann bekommt ihr Geld. Zumal nun sogar noch mit Anfang Dezember eine Zeitachse vorgegeben wurde, die mit normaler Aufklärung und Vorbereitung für ein solches Referendum kaum noch vereinbar ist.

Es wäre mehr als nachvollziehbar, wenn die Griechen dieses Spiel nicht mehr länger mitspielen.

  1. Uwe
    3. November 2011 um 09:27

    Stimme 100%-ig zu!. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter! Die ganzen ach so freien westlichen Staaten sind in Wirklicheit Oligarchien, zumindest diejenigen, die das Plebizit nicht als Element in Ihrer Verfassung haben.

  2. MaX
    3. November 2011 um 09:45

    Ganz genau! Und weil wir grade dabei sind: ALLE Euro-Voelker sollten abstimmen ob sie den Schrott ueberhaupt haben wollen. Der Euro war nie demokratisch legitimiert und hat nur zu einer Teuerungswelle unglaublichen Ausmasses gefuehrt, bei gleichbleibenden Loehnen, versteht sich!
    Und wenn behauptet, Griechenland habe gemogelt, dann hat er recht. Aber er muss auch dazusagen: ALLE (bis auf Luxembourg) haben gemogelt, kein einziges Euro-Land ausser Lux hat die Stabilitaetskriterien erfuellt. Jetzt auf den Schwaechsten rumzuhacken ist einfach nur unfair.
    Meine Meinung zu Merkozy schreibe ich hier lieber nicht, ich moechte ja nicht, dass Nepi sein Blog gesperrt kriegt und das SEK vor seiner Tuer steht… Ja, damit muessen Kritiker heutzutage schon rechnen wenn man sich mal so anschaut meit welchen Methoden die Eurokratie so vorgeht.
    MaXimus

  3. KMZ
    3. November 2011 um 10:14

    Sehr einseitige Sichtweise. Warum hat Papandreou nicht vor über einem Jahr diese Frage an das Volk gestellt, warum nicht vor dem mutmaßlich alles entscheidendem Gipfel? Warum ohne Absprache mit allen europäischen Regierungschefs? Jedenfalls wäre es für alle Beteiligte besser, wenn Griechenland die Eurozone verläßt, denn das Land paßt von seiner Wirtschafts- und Rechtsstruktur nicht in die Eurozone. Vielleicht schaffen die Griechen ja tatsächlich ein Comeback mit der Drachme, die anderen Europäer kommen dann in ein billiges Urlaubsland, erholen sich dort und alle wären zufrieden.

    • 3. November 2011 um 10:30

      Na ja. Zum einen war die Situation vor einem Jahr eine andere. Damals war die Lage zwar dramatisch, aber nicht so, wie derzeit. Da Spanien und Italien noch nicht abschmierten. Außerdem hat sich die Weltwirtschaft seit einem Jahr massiv eingetrübt, was so nicht voraussehbar war. Damit ist die Situation heute eine völlig andere. Und Absprache: Warum? Würde sich Deutschland mit Italien und Österreich absprechen, wenn es das Volk befragt? Nie. Souveränität, darauf pochen wir Deutschen doch so gern. Also bitte auch für andere Länder. Und die Drachme ist doch nicht ernst gemeint, oder? Alle Schulden in Euro bleiben in Euro bestehen und müssen in Euro zurückgezahlt werden. Mit einer abgewerteten Drachme ist das erst recht nicht mehr zu zahlen. Dann bricht die gesamte Volkswirtschaft in Griechenland zusammen, dann ist es auch kein Urlaubsland mehr. Abgesehen davon finde ich „billiges Urlaubsland“ doch etwas sehr polemisch und ziemlich typisch deutsch…

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