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Auf „Kneip-Tour“ in St. Petersburg

5. Oktober 2011

„Grün-Weiß, extra für uns“, freut sich MP Stanislaw Tillich nach seinem abendlichen Stadtrundgang. Nein, er hat nicht die Sachsenfahne im quirligen St. Petersburg entdeckt, sondern den grün-weiß bemalten Winterpalast der einstigen Zaren am Ufer der Newa. Und nicht nur den gibt es zu entdecken: Prachtvolle Paläste, wunderschöne Kirchen, Museen und Theater schmücken das gesamte Stadtzentrum. Für die angepriesenen Bootstouren auf den unzähligen Kanälen ist es leider bei unter 10 Grad viel zu kalt. Und wohl auch zu spät: Denn um 1 Uhr werden die Flussbrücken hochgeklappt! Wer dann nicht auf der richtigen Newa-Seite ist, hat Pech und muss bis zum Morgengrauen warten.

Vom angeblichen sozialistischen Charme ist kaum noch etwas zu sehen – die Stadt strahlt in westlichem Glanz. So wie es Stadtgründer Zar Peter I. 1703 gewollt hat. Die Preise sind übrigens mehr als westlich: In noblen Restaurants ist ein gut gefüllter Obstteller für 3 900 Rubel (über 90 Euro) zu haben, der Muschelteller ist für 200 Euro zu haben. Aber es geht auch preiswerter! Zum Beispiel bei Anna Albers, einer 33-jährigen Deutschen, die mit gleich drei Kneipen in der historischen Innenstadt eine echte Szene-Größe ist! Bei ihr kostet das berühmte Baltika-Bier nur einen Euro. Albers hat vor acht Jahren das deutsche Konzept der Thekenkneipe nach St. Petersburg gebracht und wird inzwischen dutzendfach kopiert!

Und trotzdem ist die alte Sowjetunion präsent: Nicht nur im politischen System, welches alles andere als eine lupenreine Demokratie ist. Darauf angesprochen, reagieren die hiesigen Politiker der übermächtigen Putin-Patei „Einiges Russland“ übrigens sehr allergisch: „In China ist es schlimmer“ – vorbei ist die Debatte.

Nein, auch Lenin ist und bleibt präsent. Benannte sich die 5-Millionen-Einwohner-Stadt 1991 nach einer Volksabstimmung wieder in  „St. Petersburg“ um, heißt die umliegende Provinz noch immer Leningrad. Auch auf Schriftzügen von Gebäuden, auf Matrioschka-Figuren und T-Shirts ist der Revolutionär noch zu sehen. Auch vor dem Gouverneurspalast im Smolnij steht Lenin noch immer,  reckt seinen kleinen Arm nach vorn und weist in die Zukunft. Stanislaw Tillich, als er den Palast gestern Mittag verließ, machte zu Lenin die gleiche Geste – nur in die andere Richtung und lachte: „Schau, da geht es heut zu Tage lang!“

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