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Nepp mit illegalen Downloads

15. August 2011

So was aber auch, ich hab angeblich illegal Musik gezogen und wieder hochgeladen. Eine „Kanzlei“ aus Stuttgart (Die damit nichts zu tun hat!) meldete sich heute per Mail und machte mir das „faire“ Angebot, nur 100 Euro zu zahlen, dann sei die Sache gegessen. Dass Problem an der ganzen Geschichte: Mal wieder sind Bauernfänger im Netz unterwegs und peilen unter falschem Namen „gutgläubige“ schwarze Schafe an. Doch gleich mehrfach macht dieses Schreiben stutzig.

Zum einen erhielt ich die Mail gleich vier Mal – ohne persönliche Anrede. Von vier verschiedenen Absendern. Darunter so seriöse wie „Noreply 51.70“ oder „dxdbyzWare“. Wenn man sich den Betreff anschaut, bin auch gar nicht ich gemeint, sondern ganz andere Menschen werden angesprochen. Zur Krönung sind die vier Mails der „Kanzlei“  (Sie ist es nicht wirklich!auch noch auf der Dienstadresse rausgekommen, wo ein Down-/ Upload gar nicht möglich ist. Vier verschiedene IP-Adressen werden angegeben, davon ist nicht eine meine. Ach ja, Kollegen von mir haben diese Mail heute auch auf ihre Dienstrechner bekommen.

Problem: Die Kanzlei gibt es wirklich und Sie ist auch für Abmahnungen bei Urheberrechtsverletzungen tätig. Aber eben nicht auf diese Art und Weise. Bei der unten anhängenden Mail handelt es sich eindeutig um Nepper, die den Namen missbrauchen und versuchen einen Vorteil zu bekommen. Dazu hat ein Anwalt bereits gebloggt. In Wirklichkeit würde man einen Brief bekommen und kein Angebot per Mail. Und dann auch nicht mit einem so verlockenden Angebot: Wenig zahlen – 100 Euro – für angeblich viel gesaugte Musik. Da muss man doch einfach zahlen, oder? Schlimm nur, dass es genügend Menschen geben wird, die ein schlechtes Gewissen haben und tatsächlich die 100 Euro überweisen. Nicht auf ein nachvollziehbares Konto, sondern auf ein Paysafecard.com Konto, was wo immer liegt (auch das würde die echte Kanzlei nie machen).  Hier mal das Schreiben in „einer“ Version, das mir heute zuging:

Guten Tag,
in obiger Angelegenheit zeigen wir die anwaltliche Vertretung und Interessenwahrung der Universal Pictures International Germany GmbH an.
Gegenstand unserer Beauftragung ist eine von Ihrem Internetanschluss aus im sogenannten Peer-to-Peer-Netzwerk
begangene Urheberrechtsverletzung an Werken unseres Mandanten. Unser Mandant ist Inhaber der ausschliesslichen
Nutzungs- und Verwertungsrechte im Sinne der §§ 15ff UrhG bzw. § 31 UrhG an diesen Werken, bei denen es sich um
geschutzte Werke nach § 2 Abs 1 Nr. 1 UrhG handelt.
Durch das Herunterladen urherberrechtlich geschutzer Werke haben sie sich laut § 106 Abs 1 UrhG i.V. mit
§§ 15,17,19 Abs. 2 pp UrhG nachweislich strafbar gemacht.
Bei ihrem Internetanschluss sind mehrere Downloads von musikalischen Werken dokumentiert worden.
Aufgrund dieser Daten wurde bei der zustandigen Staatsanwaltschaft am Firmensitz unseres Mandanten Strafanzeige
gegen Sie erstellt.
Aktenzeichen: 390 Js 785/65 Sta Stuttgart
Ihre IP Adresse zum Tatzeitpunkt: 115.266.177.72
Illegal heruntergeladene musikalische Stucke (mp3): 27
Illegal hochgeladene musikalische Stucke (mp3): 858
Wie Sie vielleicht schon aus den Medien mitbekommen haben, werden heutzutage Urheberrechtverletzungen
erfolgreich vor Gerichten verteidigt, was in der Regel zu einer hohen Geldstrafe sowie Gerichtskosten fuhrt.
Genau aus diesem Grund unterbreitet unsere Kanzlei ihnen nun folgendes Angebot:
Um weiteren Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und anderen offiziellen Unannehmlichkeiten wie Hausdurchsuchungen und Gerichtsterminen aus dem Weg zu gehen, gestatten wir ihnen den Schadensersatzanspruch
unseres Mandanten aussergerichtlich zu lösen.
Wir bitten Sie deshalb den Schadensersatzanspruch von 100 Euro bis zum 1808.2011 sicher und unkompliziert
mit einer UKASH-Karte zu bezahlen. Eine Ukash ist die sicherste Bezahlmethode im Internet und
fur Jedermann anonym an Tankstellen, Kiosken etc. zu erwerben.
Weitere Informationen zum Ukash-Verfahren erhalten Sie unter: http://www.ukash.com/de
Nachdem Sie den Ukash oder Paysafecard* Voucher gekauft haben, schicken Sie die 16 oder 19 stellige Voucher Nummer an unsere email Adresse mit der eingabe ihrer Aktenzeichen.
Email: info@apw-anwaelte.info
* alternativ konnen Sie auch mit Paysafecard zahlen
Link: http://www.paysafecard.com/de
Geben Sie bei Ihrer Zahlung bitte ihr Aktenzeichen an!
Sollten sie diesen Bezahlvorgang ablehnen bzw. wir bis zur angesetzten Frist keinen 19- stelligen
Ukash PIN-Code im Wert von 100 Euro erhalten haben(oder gleichwertiges Paysafecard Coupon), wird der Schadensersatzanspruch offiziell
aufrecht erhalten und das Ermittlungsverfahren mit allen Konsequenzen wird eingeleitet. Sie erhalten
dieses Schreiben daraufhin nochmals auf dem normalen Postweg.
Hochachtungsvoll,
Rechtsanwaltskanzlei Auffenberg, Petzold & Witte
  1. 15. August 2011 um 14:19

    Vielen Dank für die Info über solche fiktiven e-Mails!!!

  2. Marcus Pi.
    16. August 2011 um 13:42

    Danke für den Beitrag. Mails wie von Dir genannt bekomme ich täglich einige – ich nehme sie kaum noch zur Kenntnis!

    Noch schlimmer ist der so genannte BKA-Trojaner. Er macht deinen Rechner abreitsunfähig und kidnappt ihn regelrecht…
    Nach dem Anmelden in Windows kommt ein Fenster in dem einem so ziemlich jeder Verstoß, den man begehen kann, vorgehalten wird – oben prangt das Logo des BKA. Erst gegen Bezahlung von 100 Euro über Ukash würde man seinen Rechner wieder benutzen können.
    Dieser Trojaner verbreitet sich über Sicherheitslücken im System bzw. Browser und lädt, wenn er sich einmal breitgemacht hat, ordentlich andere Schadsoftware nach.
    Bei einem Nachbarn habe ich den PC retten können – es war 57 verschiedene Trojaner und bösartige Programme zu finden.

    Schöne neue Welt! —

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