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„Die Mätresse des Königs“

5. August 2011

Es ist soweit: Heute findet im Zwinger die Premiere von der „Mätresse des Königs“ statt. Um 20.30 Uhr geht es los: Dann präsentiert Kult-Regisseur Dieter Wedel die Geschichte August des Starken und der Gräfin Cosel vor einem hochkarätigen Publikum. Ich hab es mir gestern bereits bei der Vorpremiere angesehen. Und… Mmmmh!Die Bühnenpräsenz von Agata Buzek (Fürstin Teschen mit bezauberndem polnischen Einschlag), Götz Schubert (August der Starke der sogar Blank zieht), Dirk Bach (Hofnarr Fröhlich mit politischem Witz) oder Teresa Weißbach (Anna Constantia Gräfin Cosel) ist einfach umwerfend: Stimmgewaltig und schauspielerisch perfekt agieren sie knapp drei Stunden. Amüsiert fragten nicht nur wir uns  den ganzen Abend, was Dieter Wedel für ein Verhältnis zu Karl Lagerfeld hat, denn  Tom Quaas (Reichsgraf Fürstenberg), sieht dem Modezaren sehr ähnlich – trägt sogar dessen Sonnenbrille im Stück. Vor allem Dirk Bach überrascht in seiner ungewohnt ernsten Rolle als Hofnarr, der wie eine Klammer das Stück zusammenhält und als „Reiseführer“ viele kleine Details aus der Zeit Augusts einstreut und so das Stück rafft.

Doch gerade mit dem Raffen, dem Straffen von Fakten, hat es Regisseur Dieter Wedel nicht wirklich ernst genommen. Die Mätresse hat Längen. In dem Sinne, als das Handlungsstränge schlicht überflüssig sind. Die Entdeckung des Porzellans durch Böttger ist schlichtweg unnötig. Auch die – sehr unterhaltsamen – Bettszenen ziehen sich. Dafür sind gestreute Gags zu selten und auch der Spannungsbogen am Ende verpufft recht schnell. Es fehlen ein paar Highligtht, die die Zuschauer fesseln.

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Der Zwinger selbst ist eine brilliante Kulisse: Geheimnisvoll angestrahlte Putten, festlich beleuchtete Säulen und Tore. Die Atmosphäre ist einmalig. Doch das war es dann leider auch schon! Die Stühle sind eine einzige Katastrophe! Eng und unbequem. Selbst ein Kleinarsch wie ich kann so keine 1,5 Stunden bis zur Pause durchhalten – die halbhohe Rückenlehne schneidet irgendwann in den Rücken und das Kuscheln mit wildfremden Leuten, auf Grund der Enge, ist gewöhnungsbedürftig. Wenn es dann noch regnet, so wie gestern unmittelbar vor der Veranstaltung, wird es grenzwertig: Die kostenlos verteilten Plastik-Regentüten (von Lotto) treiben einem den Schweiß auf den Körper. Und machen das Sitzen endgültig zur Qual. Auch der Untergrund verwandelt sich (zwangsweise) in rote Pampe – wer keinen Anzug trägt spart dann wenigsten die Reinigungskosten. Ach ja, Regenschirme sind verboten!

Problematisch auch die Anfangszeit: Von 20.30 Uhr bis Mitternacht wird gespielt. Für auswärtige Festival-Gäste in der Woche recht anstrengend.

Dieter Wedel selbst saß gestern am Regierpult und schrieb eifrig mit: Welche Gags klappten, welche verpufften. Wann setzten die Einspieler über die clever installierte Videowand nicht pünktlich ein. Wo gab es Längen. Dies allein gibt Hoffnung, dass das Stück bis heute Abend noch nachjustiert wird und somit wirklich erfolgreich wird.

Bei aller Kritik: Die Zwingerfestspiele sind ein einmaliges Erlebnis in Dresden, welches man – wenn möglich – nicht verpassen sollte. Kleine Schwächen (auch auf Grund des Wetters) werden sicherlich in den kommenden Tagen abgestellt. Am Zwinger, den Schauspielern und der Geschichte selbst liegt es jedenfalls nicht.

  1. 6. August 2011 um 19:42

    Schöner Beitrag ! Lg

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