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Libyen: Al-Gaddafi angeblich nach Venezuela geflohen

21. Februar 2011

Gaddafi & Berlusconi - zwei die sich mögen und zusammenhalten.In Nordafrika setzt offenbar eine Kettenreaktion ein: Nachdem in Tunesien und Ägypten die Diktaturen kippten, scheint jetzt auch in Libyen die Revolution Erfolg zu haben. Laut Al-Jazeera und CNN hat heute Abend Machthaber Muammar al- Gaddafi das Land verlassen. Twitter überschlägt sich bei den entsprechenden Suchbegriffen. Angeblich ist er auf dem Weg nach Venezuela. Ob dies stimmt, ist allerdings offen, noch gibt es keine Bestätigung. Spätestens morgen will sein Sohn Seif al-Islam eine Fernsehansprache halten – vermeldet Jana, die libysche Staatsagentur. Seit Tagen protestieren tausende Menschen in Libyen gegen den seit 40 Jahren brutal amtierenden Gaddafi. Zuletzt hat er das Militär gegen die Aufständischen eingesetzt, heute mit Mörsern auf einen Trauerzug schießen lassen. Mindestens 200 Menschen starben seit Beginn des Aufstandes, unabhängige Quellen sprechen von über 600 Toten. Mal schauen, wann und ob sich die Bundesregierung diesmal eher äußert und konkreter ist, als bei Ägypten und Tunesien… Updates anschließend – Stellungnahme des Iran

Ansprache von Saif in der Nacht

Saif al Islam Gaddafi betont in seiner Ansprache acht Mal, das Libyen nicht Tunesien und Ägypten sei. Es seien Fehler gemacht worden. Von beiden Seiten. Aber Libyen habe Öl und könne sich selbst Reformieren, ohne die Einmischung von anderen Staaten, die Unruhe stiften. Das Militär und die Polizei habe „Arme“ und werde sich verteidigen. Es werden Reformen versprochen. Ohne Gaddafi gebe es nur Unruhe und keine Sicherheit im Land. Libyen würde sonst auseinanderfallen. „Morgen, in 6… 48 Stunden, in drei Tagen“ soll es einen Dialog über Reformen geben. Die ausländischen Medien stiften die Unruhe im Land. „Ich warne vor Bürgerkrieg.“

Kein Wort zu einem Rücktritt oder einer Flucht bislang – aber auch nicht, warum sich Saif äußert und nicht sein Vater. Wo ist Gaddafi? Daher, wie oben erwähnt, Vorsicht mit den Gerüchten. Ansprache lief bis eben auf CNN & Al Jazeera. Die deutschen Nachrichtensender n-tv und N24 sind natürlich wieder nicht live dabei… Übrigens auch Spiegel-Online – das immer boulevardesker werdende und unrühmliche Onlineportal des guten Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ – erwähnt die aktuellen Ereignisse mit keinem Wort. Eine Alternative: Al Jazeera: Livestream!

Soweit der Stand um 0:30 Uhr. In Tripolis gibt es derweil weiter Unruhen. Wichtig ist die Ansprache dennoch, ob Gaddafi nun geflohen ist oder nicht: Auch in Ägypten gab es erst Rücktrittsgerüchte. Allein die Ansprache zeigt, dass es in der politischen Kaste Bewegung gibt. Warten wir die kommenden Tage ab und hoffen, dass es keine Toten mehr gibt.

Ein Hotelangestellter in Tripolis sagte der Nachrichtenagentur Reuters, es gebe Unruhen. Augenzeugen berichteten von Schüssen und brennenden Autos. Die Menschen warfen Steine gegen Plakate Gaddafis. Die Polizei setzte Tränengas ein. In der Hafenstadt Benghazi desertierten Soldaten und teilten mit, die Stadt von Pro-Gaddafi-Einheiten „befreit“ zu haben. Der Vertreter Libyens bei Arabischen Liga, Abdel Moneim al-Honi, reichte als Protest gegen die Gewalt seinen Rücktritt ein. „Ich schließe mich der Revolution an“, sagte er in Kairo.

Update (2) – Montag, 12 UhrGaddafi weiter da?

In verschiedenen Teilen der Stadt wurden Augenzeugen zufolge mehrere Polizeireviere und öffentliche Gebäude – wie das Staatsfernsehen und der Volkskongress – angezündet. In der Nacht war bereits das Gebäude des Volkskongresses von Aufständischen niedergebrannt worden. Nach Angaben von Einwohnern der Stadt sind Schüsse zu hören, Tränengasschwaden hingen über den Straßen – auch in der Nähe des Gebäudes des staatlichen Fernsehens, das geplündert und verwüstet worden sein soll. Erneut haben sich tausende Demonstranten auf dem zentralen Grünen Platz versammelt. Mehr als 60 Menschen sollen allein in den vergangenen Stunden getötet worden sein. Gaddafi selbst sei in Tripolis, hieß es heute morgen. Später wurde wieder gerätselt, ob er noch im Lande ist (ZDF). Laut den Web-Seiten von  Oppositionellen, planen zwei Stämme, die Stadt Sebha in Zentrallibyen unter ihre Kontrolle zu bringen. Mohammed Bayou, bis vor wenigen Tagen Sprecher Gaddafis, sagte, es sei falsch, dass die Regierung Gewalt gegen ihre Gegner anwende. Er forderte nach Angaben von Reuters Gaddafis Sohn Saif al-Islam al-Gaddafi zum Dialog mit der Opposition auf.

Update (3) – Montag, 18 Uhr – Italien versetzt Luftwaffe in Alarmbereitschaft!

Jetzt geht es in Libyen Schlag auf Schlag: Gaddafi hat mindestens 160 Tote allein heute auf dem Gewissen. In Tripolis beschreiben Augenzeugen, dass Kampfflugzeuge mehrere Plätze unter Beschuss genommen haben. „Was wir hier erleben ist unvorstellbar“, so ein Augezeuge im TV. Kampfflugzeuge und Hubschrauber bombardierten einen Platz nach dem anderen. Wegen der brutalen Gewalt des „Revolutionsführers“ ist der Justizminister des Landes zurückgetreten.

Derweil haben Offiziere der libyschen Luftwaffe mit zwei Kampfjets sich nach Malta abgesetzt und dort um Asyl gebeten. Zuvor haben bereits Diplomaten bei der UNO die Seiten gewechselt – sie fordern inzwischen Gaddafi auf, sein Amt schnell nieder zu legen. Die „Los Angeles Times“ berichtet, die Diplomaten wollten sich mit diesem Schritt „von der abscheulichen Tat, das libysche Volk anzugreifen“ distanzieren. Am Abend hat Italien nach Angaben der Nachrichtenagentur ANSA sämtliche Luftstützpunkte des Landes in höchste Alarmbereitschaft versetzt. Diese Entscheidungen sei nach der Landung libyscher Flugzeuge in Malta gefallen.

Die Tagesschau berichtet, dass Gaddafi „mit großer Härte“ vorgeht. Was in dem Land passiert ist aber nichts als Brutalität! Aber auch jetzt heißt es wieder vom britischen Geheimdienst, Gaddafi habe das Land in Richtung Venezuela verlassen.

Inzwischen wurde der Luftraum gesperrt – eine Passagiermaschine aus Österreich sitzt in Tripolis fest… Die Armee weitet derweil ihre Bombardements in Tripoli aus und legt die Stadt in Schutt und Asche. Zum anderen geben immer mehr Grenz-Soldaten ihre Arbeit auf und gehen nach Hause.

Update (4) – Montag, 20.30 Uhr – Gaddafi kündet Rede an

Ich klaue mal eine Meldung vom Stern und verabschiede mich hier aus dem Thema für heute und aus diesem Post – inzwischen hat stern.de einen Ticker eingerichtet und tatsächlich hat auch Spiegel-Online erkannt, dass Libyen ein Thema ist… Also, Danke für die vielen Besuche und ich hoffe, dass der Blog für erste Infos in der anfangs nachrichtenarmen Zeit hilfreich war!

Hier die Stern-Meldung: „Venezuelas Regierung hat Berichte dementiert, wonach der libysche Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi auf dem Weg in das südamerikanische Land sei. Der venezolanische Kommunikationsminister Andrés Izarra wies am Montag im TV-Sender „Telesur“ entsprechende Angaben des britischen Außenministers William Hague zurück. Hague hatte in Brüssel gesagt, ihm lägen Informationen vor, nach denen sich Gaddafi auf dem Weg nach Venezuela befinden soll. Der libysche Machthaber hat sich seit der Eskalation der Gewalt in seinem Land nicht mehr öffentlich zu Wort gemeldet, was zu Spekulationen über seinen Aufenthaltsort geführt hat.“

Der Nachrichtensender Al Arabia kündigt an, dass Gaddafi selbst sich heute noch ans Volk wenden will. Wahrscheinlich wird es von der Uhrzeit hier ähnlich wie gestern, also kurz vor Mitternacht…

Stellungnahme des Iran

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  1. Santino838
    21. Februar 2011 um 11:29

    weshalb konnte die nachricht bisher nicht bestätigt werden?

  2. 21. Februar 2011 um 20:13

    Wann stürzt eigentlich Hugo Chavez?

    • girlmeetspearl
      21. Februar 2011 um 21:40

      @ Adreas Moser:
      Noch lange nicht. Er ist ja „erst“ 12 Jahre im Amt… Und wenn der Ölpreis weiter steigt, wird sein Chefsessel auch immer sicherer…

      In Libyen wird es jetzt sehr gefährlich. Wenn Gaddafi wirklich an der Macht bleiben will, muss er alle Proteste mit äußerster Gewalt unterdücken. In dem Fall wird es schlimme Folgen haben.
      Ansonsten ist seine Zeit abgelaufen. Früher oder später. Hoffentlich früher und möglichst ohne neue Opfer!

      SecretCoAuthor

  3. Sassi
    23. Februar 2011 um 15:18

    Der Witz ist: viele europäische Staatslenker haben Gaddafi hofiert. Beispielsweise Mr. Berlusconi…

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