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Semperopern-Ball – einfach nur noch peinlich

12. Januar 2011

Am Freitag findet er wieder statt – der Dresdner Sempernopernball. Was einst als Aushängeschild der Stadt begann, ist heute an Peinlichkeit nicht mehr zu überbieten. Drittklassige Film- und Showstars werden aufgeboten, damit überhaupt noch über den Ball berichtet wird. Inzwischen werden sogar schon Allessandra Pocher („Sandy Meyer-Wölden), Ex-Germany-Next-Top(f)-Model Alisar Aliabouni und Ex-Zehnkämpfer Jürgen Hingsen als „Promis“ gehandelt. Nachdem Michael Jackson voriges Jahr den Opernball-Orden erhielt, soll ihn in diesem Jahr auch noch Nuschel-Weltmeister Till Schweiger bekommen. Auch Russlands lupenreiner Demokrat Wladimir Putin hat ihn schon erhalten.

Der Ball ist an Peinlichkeiten nicht mehr zu überbieten. Ball-Chef Hans-Joachim Frey scheint nur noch Leute einzuladen und für den Orden zu nominieren, die medial zu verkaufen sind und noch Kameras anlocken. Würde Muammar al- Gaddafi zusagen, würde sicher auch er einen Orden bekommen. Denn nach Putin, ist den Opernball-Machern offenbar nichts mehr peinlich…

Hier mal mein Kommentar aus der Montags-Ausgabe:

Orden ist entwertet
Der Semperopern-Orden ehrte einst verdiente Persönlichkeiten der Gesellschaft: Politveteran Hans-Dietrich Genscher, Schauspiel-Legende Maximilian Schell und auch Star-Dirigent Kurt Masur. In diesem Jahr bekommt ihn u.a. Alt-Bundespräsident Roman Herzog.
Doch 2009 wurde der Orden entwertet: Damals verlieh ihn MP Stanislaw Tillich an Russlands Präsidenten Putin. Jenen Wladimir Putin, der die Pressefreiheit mit Füßen tritt. Jenen Putin, der unwillige Nachbarstaaten mit Ölboykotts bedroht. Jenen – inzwischen Ministerpräsident – Putin, der erst im Dezember einen unliebsamen Ölbaron für das gleiche Vergehen ein zweites Mal verurteilen ließ. Es ist auch jener Putin, der immer wieder friedliche Demonstranten brutal zusammenknüppeln und verhaften lässt.

Putin erhält 2009 den Orden von MP Tillich.

Putin erhält 2009 den Orden von MP Tillich.

Es ist schlimm genug, dass die offizielle Politik immer wieder die Augen aus wirtschaftlichen Interessen verschließt und Putin-Russland die Demokratie mit Füßen treten lässt. Warum aber auch ein privater Verein dieses miese Spiel mitmacht, erschließt sich nicht.
Dass  dem laut Ex-Kanzler Gerhard Schröder „lupenreinen Demokraten“ Putin der Preis noch immer nicht aberkannt wurde, wirft ein denkbar schlechtes Licht auf den Orden und den Opernball-Verein. Offenbar aus Mangel an echter Prominenz werden inzwischen Personen geehrt, die nur noch Kameras anlocken sollen. Warum sonst erhielt der tote Michael Jackson voriges Jahr hier in Dresden den Preis? Wieso bekommt in diesem Jahr sonst Schauspieler Til Schweiger einen Orden?
Findet man wirklich ehr(en)würdige Persönlichkeiten, wie Roman Herzog, müssen die sich nun fragen lassen, ob sie wissen und wollen, dass sie künftig in einem Atemzug mit Wladimir Putin genannt werden.