Startseite > Medien, Politik, Print > Porsche als Dienstwagen

Porsche als Dienstwagen

25. Juni 2010

Was für ein Skandal! Zumindest für Spiegel-Online, dem inzwischen boulevardeskesten Online-Magazin nach Bild. Hat sich doch der Landtagspräsident von Baden-Württemberg, Peter Straub (CDU), in den Kopf gesetzt, sich einen neuen Dienstwagen anzuschaffen. Und ist ausgerechnet auf einen Porsche Panamera gekommen. Unglaublich! Was für eine Geldverschwendung. Der ganze Landtag stünde bereits Kopf. Doch warum eigentlich?

Schauen wir doch mal nüchtern auf die Sache. Zur Zeit fährt der gute Herr Straub eine Mercedes-S-Klasse 500 und mit allen möglichen Schnick-Schnacke.Grundpreis: Knapp 96 000 Euro. Sagen wir mal, es ist der Politiker-Standart-Krams drin, also kostet die Limo schnucklige 120 000 Euro. Okay, da geht der Steuerzahler offenbar mit. Zumindest hab ich noch keine Proteststürme gegen die Anschaffung einer Benz-Limousine gehört.

Und nun? Ach ja, nun wollte Straub den Panamera. Puuuh, ein Sportwagen! Und sooo teuer. Doch halt, die Grundausstattung kostet 76 000 Euro. Mit der üblichen Ausrüstung würde der Wagen damit wohl nicht, wenn überhaupt so teuer werden, wie der bisherige Benz. Stellt sich die Frage, wo bleibt jetzt der Skandal?Oder liegt der darin, dass der eine Autobauer aus Stuttgart mit Prestige und „altbackenem politischen Dienstwagen Glanz“ gegen ein sportliches Modell auf Stuttgart eingetauscht werden sollte? Das passt nun aber gar nicht ins gewohnte Bild! Die Frage ist doch eher: Passt der Mann mit seinen 70 Jahren noch bequem in das Auto, kann er problemlos aus und einsteigen und bekommt er sein mobile Büro darin unter?!

Wo das wirkliche Problem ist, erschließt sich mir nicht. Jede Landesregierung fährt die Wagen als Dienstwagen, die im eigenen Land produziert werden. In Bayern BMW, in Stuttgart Benz bzw. nun fast Porsche, in Sachsen Audi und VW Phaeton, in Niedersachsen meist VW Passat… Das ist Verbundenheit mit dem eigenen Land, Standortwerbung und „gehört“ sich einfach so.

Eine viel wichtigere Frage beantwortet Spiegel-Online hingegen mal wieder nicht: Sind überhaupt personengebundene Dienstwagen in der heutigen Zeit nötig? Reicht nicht auch ein Fahrzeug-Pool aus, der dann den Ministern zur Verfügung gestellt werden kann? Braucht jeder einen personengebundenen Wagen und mindestens zwei Fahrer? Okay, diese Debatte dauert zu lang und passt nicht so in die einfach SpOn-Welt. Aber da wäre doch der Ansatzpunkt zu suchen und nicht bei der Frage, Panamera „ja“ oder „nein“…