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Sport ist Mord!

12. Juni 2010

Ach man, hätte ich mal auf die vielen klugen Leute gehört, die immer mahnen: Geh nicht zum Sport! Sport ist Mord! Sport lohnt sich doch nicht! Du hast es gar nicht nötig… Aber nein, ein eitler Fatz, wie der Fred nun mal ist, muss er zum Sport rennen und sich prompt verletzen. Und nun lieg ich beim „schönsten“ Sommerwetter im Krankenhaus und bin genervt…

Mittwoch, 8 Uhr: Ich lasse mich überreden vor der Arbeit fleißig zu trainieren. Klar, warum nicht. Am Nachmittag soll es heiß werden und wenn ich früh bereits gewesen bin, muss ich abends nicht in das stickige Studio gehen. Also wird fleißig trainiert. Fein geduscht geht es dann um kurz nach neun in Richtung Arbeit – okay, zuerst sollte der Stopp in der Kantine kommen, hatte ich ja noch nicht gefrühstückt. Doch dann kommt es so, wie es wohl kommen musste: Irgendeine blöde Stufe sehe ich nicht oder erwische ich nicht. Mein rechter Fuss knickt um und ich trete noch richtig drauf. Es knallt und ich krache auf die Treppe. Schweißnass liege ich da und könnte schreien. Erst vor Schmerzen, dann vor Wut!

Ich stell hier mal lieber das Bild mit Astro-Schuh, ohne Naht und Beule rein... :-)Nach etwa 20 Minuten ist der Krankenwagen da. Die erste Frage des Arztes ist natürlich nicht, „geht es Ihnen gut, können wir was tun?“. Nein, sie lautet: „Haben Sie Ihre Chipkarte dabei?“ Wenig später geht es auch schon nach Friedrichstadt ins Krankenhaus. Dort sitze ich von kurz vor zehn bis kurz vor elf im Rollstuhl und hoffe: „Bitte, lass es kein Bänderriss sein!“ Denn der soll dauern, schlimmstenfalls mit OP enden. Und darauf hab ich nun gar keine Lust! Der Arzt guckt gar nicht genau drauf auf den überfetten Huf sondern jagt mich direkt zum Röntgen. Eine Stunde später, ich sitze inzwischen in einem Rollstuhl in einem separaten Raum, kommt er rein und grübelt: Die Bilder sind nicht eindeutig. Helle Stellen am Gelenk. Bänder sind offenbar okay. Ich atme auf. Dann meint er, zur Sicherheit würde er noch ein CT machen wollen…

Kurz vor zwei Uhr dann die Diagnose: Eine gute und eine schlechte Nachricht. Die Gute: Das CT war sinnvoll. Die Schlechte: Der Knöchel ist gerochen. Genau am Sprunggelenk. Schön schräg durch. Böse, böse – die angeblich dümmste Stelle, die man sich brechen kann. Dann wird lange zwischen zwei Ärzten überlegt, ob es sofort operiert werden muss oder erst am Freitag. Man einigt sich auf sofort! Also folgen nun die unangenehmen Telefonate, um mitzuteilen, was passiert ist und was man alles schnell brauch. Statt eines blöden Gipses – ich darf ja den Huf nicht bewegen – bekomme ich einen Astronautenschuh. Jedenfalls sieht der so aus. Ein neues Modell, mit Pumpe und Klettverschlüssen, was ich offenbar als erster hier tragen muss. Jedenfalls freuen sich die Ärzte und Schwestern regelmäßig und spielen dran rum – so neu ist das Teil offenbar!

Besonders gemein: Ich habe Hunger und Durst und bekomme nix. Da ich ja operiert werden soll. Wenigstens nen Tropf bekomm ich. Und kurz vor vier liege ich auf Station. Unmengen von Zetteln wollen ausgefüllt und unterschrieben werden. Wozu man alles so zustimmt… Krass! Na, was soll’s. Immerhin muss der Huf gerichtet werden. Um kurz vor sechs holen mich zwei Schwestern ab – per Fahrstuhl geht es in den Keller (OP). Dort werde ich über Narkosen aufgeklärt – Rückenmark oder Totalausfall. Nach ausführlichem hin und her bin ich für den Totalausfall und werd Punk sechs in OP 7 gerollt. Dort warten schon alle freudig gespannt und ich leicht angenervt. So hatte ich mir meinen Tag nicht vorgestellt. Dies sagte ich auch gleich, als eine Schwester schimpfte, dass ich meinen Astma-Inhalator nicht dabei hätte…

Kurz nach neun war ich wieder wach. Hellwach! Und noch immer durstig. Mein Astroschuh ist wieder im Bein. Draus kommen zwei Schläuche, die irgendwo das Blut absaugen sollen. Na, sollen sie mal. Ist mir wurscht. Weg tut nix. Und jetzt gibt es endlich nen Tee. Und nach zwei Telefonaten, ein paar SMS, denk ich mir: Der Tag ist eh im Arsch, schlaf doch einfach! Pustekuchen: Der doppelt so alte Herr neben mir röchelt. Er schnarcht nicht, was ja auf dem Rücken liegend – auch er hat „Fuss“ – verständlich wäre. Er keucht, schnappt, prustet und grunzt in Intervallen. Alles sehr gruselig. Zumindest erschrickt sich die Nachtschwester über ihn, als sie mir gerade im Stundentakt den Puls misst und ich sie nach Ohrsteckern frage….

Eine feine Sache gibt’s als Entschädigung: Nen Drogentropf! Sehr lustiges Teil, soll ich immer drücken, wenn mir was drückt, ziept, puckert oder schmerzt. Hin und wieder drück ich den Knopp und fühle mich danach angenehm leicht. Leider aber nicht gehörlos – denn es schnauft trotz Oropax die gesamte Nacht neben mir. Früh zur Visite bin ich entsprechend angenervt. Zumal ich nicht duschen darf, nicht aufstehen und damit auch nicht zum Klo gehen kann.

Und nun, nun ist schon Samstag. Die blöden Schläuche sind seit gestern morgen raus. Sieben lustige Nähte hab ich rechts am Fuss, fünf Links. Die Fäden sollen kommende Woche raus. Seit gestern darf ich auch an (blauen) Krücken durch die Gegend hüpfen. Das ist anstrengender als Gedacht, zumal der Astroschuh nicht wirklich leicht und umgänglich ist. Aber ich kann ins Bad und mir endlich auch den Schädel waschen. Immerhin sind auch hier drin „laue“ 33 Grad und ich zerlaufe im Bett. Darf ja auch nur auf dem Rücken liegen. Aber ich hab zum Glück nen eigenen LCD-TV hier, mein iPhone und auch mein MacBook – nebst Internet… Könnte also alles noch viiiel schlimmer sein! Und die Schwestern, Pfleger und Ärzte sind wirklich lieb und rührig! Trotzdem bin ich bissel angenervt – kann und will nicht mehr auf dem Rücken liegen, alles tut weh!

Heute durfte ich endlich mal Duschen – mit Müllsack überm Schuh. Und die erste „größere“ Runde bin ich draußen auf dem Gang auch schon gelaufen. Ich weiß, mühsam ernährt sich das Meerschweinchen. Aber ich bin ja selbst Schuld! Wäre ich nicht beim Sport gewesen… Wäre ich normal mit dem Fahrstuhl gefahren… Ich weiß!

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