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Dresdner Äpfel und Birnen

16. März 2010

Dresden ist immer gut, wenn es darum geht, eine Sinnlos-Debatten anzuzetteln. Neuste Auflage: Der Streit um die Zukunft des Ferdinandplatzes. Jenes Platzes, der neben dem Karstadt-Haus, gegenüber des Rathauses, ein Parkplatz-Dasein fristet. Dort will ein privater Investor für 100 Millionen Euro eine Musical-Bühne errichten. In anderen Städten würde so eine Meldung einschlagen und Jubel auslösen. Nicht in Dresden! Hier beginnt sofort das Zerreden…

Ferdinandplatz heute

So sieht der Ferdinandplatz (im Hintergrund das Rathaus) heute aus - ein trauriger Parkplatz.

Seit Jahren wartet der Ferdinandplatz auf seine Bebauung. Seit der furchtbaren Bombardierung Dresdens am 13. und 14. Februar 1945 ist er eine Brachfläche. Die Wende rettete ihn – Gott sei Dank – vor einer Bebauung zu DDR-Zeiten. Man hatte tätsächlich vor, die Plattenbauten, die bereits in der Nachbarschaft bis zum Rundkino stehen, noch bis zum Rathaus weiter zu bauen. Die Pläne waren bereits abgesegnet – nur die Wende kam, wie erwähnt, zum Glück dazwischen. Dann wurde alles mögliche erwogen – auch die Operette dort zu bauen.

Und nun? 100 Millionen Euro, 3 000 Plätze, ein eigenes Musical, geschrieben nur für Dresden – nicht mehr verspricht der Investor für den Ferdinandplatz bis zum Jahr 2013.

Und nicht weniger. Damit würde Dresden neben Berlin die ostdeutsche Musical-Stadt werden – eine Adelung, die nicht viele Städte in Deutschland besitzen.

Die Staatsoperette heute: Dringend sanierungsbedürftig und sollte schon vor Jahren umziehen.

Man denke nur an Bochum und Hamburg, wie die allein touristisch durch ihre Musicals gewonnen haben und prächtig davon leben. Von Hotels angefangen könnten sich die Dresdner eigentlich nur freuen. Eigentlich!

Dresden wäre nicht Dresden, wenn alles nicht gleich problematisiert würde. Und Dresden wäre erst recht nicht Dresden, wenn man nicht Äpfel mit Birnen vergleichen würde. Doch ein Vergleich ist den Dresdnern schon immer viel Wert – so sehr er auch hinken mag! Und so wird das neue Musical gleich mal mit der Operette verglichen.

So    hätte die Operette am Ferdinandplatz aussehen können - doch dieser    Standort steht nicht mehr zur Debatte.

So hätte die Operette am Ferdinandplatz aussehen können - doch dieser Standort steht nicht mehr zur Debatte.

Denn die soll schon seit Jahren gebaut werden: Marode und dringend erneuerungswürdig fristet sie in Leuben ein unwürdiges Dasein. Dabei hat Dresden mit der Staatsoperette ein echtes Juwel – nur zwei Städte in Deutschland verfügen über so ein dauerhaftes Haus. Doch das liebe Geld zögert seit Jahren die Sanierung heraus. Neuerdings überlegt man, ob man das alte Kraftwerk Mitte umbaut und dort der Operette ein neues Heim gibt. Aber auch diese Überlegung könnte am Geld scheitern.

Wo ist jetzt das Problem? Es gibt keins. Operette ist ein Bau. Und Musical ist ein Bau. Beide kämen in die City. Beide wären Publikumsmagneten und würden Touristen anlocken. Beide hätten jedoch ein ganz eigenes Publikum und eigene Fans. Beide, in vernünftigen Gebäuden, würden Dresdens Ruf verbessern.

Doch beide? Für einige Politiker, Kunstexperten und Dresdner geht das nicht! Nein, entweder oder! Denn Musical und Operette werden arge Konkurenten sein. Bitte was? Ach ja, Konkurrenten: Eben wie die Äpfel und die Birnen im Garten, die immer den Vergleich bedienen müssen – obwohl sie eben nicht von ein und dem selben Holz sind. Gell, liebe Kritiker?!

  1. Uwe
    16. März 2010 um 00:47

    Wieder einer jener lästigen stadtfremden Visonäre, der ungefragt Millionen investieren will. Aber mit dem werden wir auch fertig. Schließlich hat doch kaum eine Stadt mehr Kompetenzen darin, aus politischer Profilneurose die Themen so zu zerreden äh demokratisch zu besetzen, als dass früher oder später jeder halbwegs kompetente und kreative Kopf entnervt aufgibt und irgendein beliebiges Provinzkaff mit seinen Visionen aus der Versenkung holt.

  2. Frank
    16. März 2010 um 21:06

    Aber inwiefern wird denn darüber gestritten? Ich habe davon noch nichts bemerkt. Ich höre hier ohnehin das erste Mal von dem Thema. Von mir aus kann das übrigens gebaut werden. Allerdings müssen wir Dresdner uns auch nicht gleich einreden, dass unsere Stadt aus einer angeblichen Versenkung geholt würde, nur weil ein Investor kommt und etwas baut. Vielleicht gibt es ja berechtigte Gründe degegen. Will der Investor möglicherweise finanzielle Unterstützung? Dann sähe es angesichts der aktuellen Sparmaßnahmen schon anders aus.

  3. 16. März 2010 um 23:15

    @ FranK: Soweit bekannt, will der Investor keine Fördermittel und will den Bau komplett privat finanzieren. Die Debatte läuft seit Freitag in (fast) allen Dresdner Tageszeitungen und vor allem über Leserbriefe… Falls du Facebook hast, kannst du auch bei sz-online (Gruppe) die lebhafte Debatte verfolgen.

  4. Frank
    17. März 2010 um 07:58

    Ich habe gestern abend noch kurz nach dem Thema gesucht und mein Kenntnisstand ist nunmehr folgender:
    http://tinyurl.com/yha9v6y

    Den Einwand mit der Operette finde ich gar nicht so abwegig. Dabei bin ich übrigens weder Musical- noch Operetten-Fan. Von mir aus kann man auf diesen platz wie gesagt gern etwas bauen und wenn ein privater Investor sich da notfalls verspekuliert, kann mir das egal sein. Aber ich finde schon, dass es vernünftig ist, nicht gleich in laute „Hurra!“-Rufe auszubrechen, nur weil ein Investor kommen will. Zumal ich die Idee, dieses gesamte Musical-Gebäude nur für ein einziges spezielles Musical (was wohl jahrelang laufen soll?) zu erbauen, etwas verwegen finde. Aber das muss der Investor selbst wissen.

    Das Problem bei „ist doch sein Risiko“ ist aber, dass es das später möglicherweise gar nicht ist. Denn angenommen, es läuft nach den ersten Jahren doch nicht so toll, wie erwartet, dann wird sicher von den Betreibern die Frage an die Stadtverwaltung kommen, ob man nicht etwas finanzielle Unterstützung bekommen könne. Weil das Musical doch immerhin auch gut für Dresden sein und so …

    Wenn so etwas von vornherein kategorisch ausgeschlossen wird, gerne. Aber ansonsten wäre ich auch dagegen. Zumindest finde ich es vernünftig, über die Pro und Kontras nachzudenken.

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