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Gauck wird Bundespräsident (Kandidat)

19. Februar 2012

Nach all dem Hin und Her steht es nun fest: Auch CDU und FDP unterstützen Joachim Gauck als Präsidentschaftskandidaten. Gemeinsam mit den Stimmen von SPD und Grünen dürfte Gauck im ersten Wahlgang der Bundesversammlung im März gewählt werden. Nun muss der Pfarrer nur noch zusagen, bislang hat er seine Zustimmung davon abhängig gemacht, dass er diesmal auch eine realistische Mehrheit bekommen könnte.

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Joachim Gauck gerade bei Phoenix live.

Nachdem die Koalition in Berlin sich heute fast komplett zerstritten hat, ist die CDU – namentlich Bundeskanzlerin Angela Merkel – endlich einen Schritt zurück getretenen und schließt sich nun dem Wunschkandidaten von Grünen und SPD an, den am Nachmittag auch die FDP favorisiert hatte. Angeblich stand die Koalition schon vor dem Bruch, da die FDP nicht mehr von ihrem Vorschlag abrücken wollte. Letztlich einigte man sich doch: Damit sollte Joachim Gauck sicher als neuer Bundespräsident gelten. Nach Horst Köhlers Abgang im Jahr 2010 bekommt damit Deutschland endlich einen würdigen Präsidenten. Und zwei ostdeutsche Protestanten damit an der Staatsspitze!

Ist es nun ein Problem, dass Gauck bei der ersten Wahl gegen den politisierten Kandidaten Christian Wulff verlor? Nein, ganz und gar nicht! Denn Wulff wurde damals im dritten Wahlgang erst gewählt. Zu viele Mitglieder der Bundesversammlung von CDU und FDP hatten den ehemaligen DDR-Bürgerrechtler gewählt. Die Sachsen-FDP hatte sich zuvor sogar öffentlich gegen Wulff gestellt. Außerdem genoss Gauck  vor der damaligen Wahl und bis heute sogar steigend eine Mehrheit in der Bevölkerung. Er ist damit nicht nur in der Bundesversammlung der Mehrheits-Kandidat, sondern auch beim deutschen Volk. Wer hat sich durchgesetzt? Die FDP? Die Opposition? Nein, die Vernunft! Selbst Angela Merkel lobt ihn plötzlich, dass er richtungsweisend und ein Gewinn für das Land sein wird. Dass Grüne und SPD gerade auf der Pressekonferenz jubeln, ist verständlich.

Joachim Gauck sagt zu seiner Nominierung: “Das ist natürlich für mich ein besonderer Tag. Es bewegt mich am Meisten, dass ein Mensch der noch im finstern dunklen Krieg geboren und in der Diktatur aufgewachsen ist, dass ein solcher Mensch jetzt an die Spitze des Staates gerufen wird. Was mir unglaublich geholfen hat, ist, dass sie sich alle jetzt so zusammengefunden haben.” Er dankt dann der Kanzlerin, dass sie ihn schon immer geschätzt habe. “Die Menschen in diesem Land sollen wieder lernen, dass sie in einem guten Land leben, dass sie lieben können. Weil es ihnen die wunderbaren Möglichkeiten gibt, in Freiheit zu leben.” Er könne jetzt keine Grundsatzrede abgeben. Er saß im Taxi, als die Bundeskanzlerin angerufen habe. “Ich bin überwältigt!” Er wolle Verantwortung übernehmen und “nicht nur als Zuschauer herumstehe.” Seine Tätigkeit als “reisender Politiklehrer” werde sich nicht grundlegend verändern. Er bittet, seine ersten Fehler, die er gewiss machen werde, zu verzeihen. “Irgendwann, ganz tief in der Nacht werde ich heute auch beglückt sein. Im Moment bin ich nur verwirrt”, sagt er mit bewegter Miene.

Am 18. März wird in Berlin also der Bundespräsident gewählt, der es eigentlich schon 2010 hätte werden müssen.

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  1. Lenn
    19. Februar 2012 um 23:07

    “Ende gut, alles gut” war nicht der Kommentar von Joachim Gauck sondern von Siegmar Gabriel auf der Pressekonferenz…

    • 19. Februar 2012 um 23:16

      Danke! Dass kommt davon, wenn man live mittippt und nicht noch mal alles nachhört. Danke für den Tip.

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