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Medienkritiker Zastrow kritisiert Bundespräsident für Medienkritik

3. Januar 2012

Frech kommt weiter. Zumindest scheint FDP-Sachsen-Chef und Vize-Bundeschef Holger Zastrow dieses Motto zu testen. Sieht es momentan nicht wirklich gut aus für seine Partei, versucht er schnell davon abzulenken und auf den Bundespräsidenten einzuhauen. Gut, der hat selbst ein massives Problem, allerdings sollte dies nicht zur Profilierung von Zastrow herhalten müssen. Das er nun die Medienhaltung des Bundespräsidenten im Radio kritisiert, ist an Frechheit nicht zu überbieten – hat doch Zastrow selbst im vergangenen Jahr einen Negativpreis für seine Haltung zur Presse bekommen!

Ich zitiere mal kurz Spiegel Online von heute, die einen Mitschnitt von MDR-Info verarbeitet haben:

Für FDP-Vize Holger Zastrow ist das nicht das Amtsverständnis, das er von einem Staatsoberhaupt erwartet. Er nennt Wulff einen Bundespräsidenten ohne Größe. “Wenn es so sein sollte, dass er als Bundespräsident persönlich zum Hörer greift, einen Chefredakteur anruft, auf die Mailbox spricht, dann ist das nicht die Größe, die ich von einem Bundespräsidenten erwarte”, so Zastrow am Dienstag auf MDR Info. 

Zwar müsse mit einem Bundespräsidenten generell respektvoll umgegangen werden. Wulff sei jetzt aber “in der Pflicht, das aufzuklären”. “Und da erwarte ich, dass er sich diese Woche erklärt.” Der Liberale fügte hinzu, die Vorwürfe gegen das Staatsoberhaupt seien nicht geeignet, von einem Gericht entschieden zu werden. “Es ist ja nur menschlich komisch, dass er zu solchen Mitteln greift”.

In einem weiteren Text wird Zastrow zitiert: “Es ist ja nur menschlich komisch, dass er zu solchen Mitteln greift”. Ebenfalls komisch und witzig ist, dass ausgerechnet Holger Zastrow sich zum Hüter der Pressefreiheit aufschwingt. Die Landespressekonferenz Sachsen (LPK) verlieh nämlich Zastrow und seiner FDP erst im vergangenen Jahr den Negativpreis. In der Begründung hieß es:

Als politisch Verantwortlicher hat Holger Zastrow im vergangenen Jahr maßgeblich eine Anti-Medienstrategie praktiziert, die selbst nicht davor zurückschreckte, Journalisten in ihrer Arbeit zu behindern und deren Berichterstattung negativ zu beeinflussen. Durch gezielte Diskreditierung und Ausgrenzung von Journalisten und Medien sowie eine erschreckend unprofessionelle Öffentlichkeitsarbeit hat er versucht, kritische Berichte über seine politische Tätigkeit sowie über Entscheidungen seiner Landespartei, der FDP-Landtagsfraktion und der von der FDP geführten Staatsministerien zu behindern oder gänzlich zu unterbinden.

Nicht zuletzt in seiner überzogenen Medienschelte auf dem FDP-Landesparteitag in Chemnitz, die die LPK in dieser Form bisher nur von extremistischen Parteien kannte, sieht die LPK einen Ausdruck von Konfliktunfähigkeit und Realitätsverweigerung, der liberalen Grundwerten über Meinungsfreiheit sowie Ansprüchen an ein  Landtagsmandat und an Holger Zastrows weitere wichtige politische Ämter widersprechen.

Nun, jeder kann sich selbst ein Bild davon machen, wie ehrlich die Kritik am Bundespräsidenten ist. Am eindeutigsten war vor eineinhalb Jahren sein Auftritt beim Landesparteitag. Gut zusammengefasst auch von der LVZ – auch hier.

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