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Dresden: Hochhaus-Riese am Hauptbahnhof geplant!

2. Januar 2012

(fred) Unglaubliches wird in den kommenden Monaten in der Stadt Dresden geschehen. Diesem Blog liegt bereits jetzt schon exklusiv der “Jahresrückblick 2012″ vor. Wie wir daran gekommen sind, ist jetzt mal völlig egal. Fakt ist nur: Dresden wird regelrecht boomen! Und alles haben wir nur einer einzigen Partei mit drei Buchstaben zu verdanken. Danke!

Januar:

Ferdinandplatz heute

So sieht der Ferdinandplatz heute aus - ein trauriger Parkplatz. Doch nun wird er zum Berg!

Der Ferdinandplatz wird umgestaltet! Statt eines tristen Parkplatzes und eines aus der Planungsphase nie herausgekommenen Musical-Theaters, wird auf dem Platz der “Ferdinand-Berg” errichtet: 99 Meter hoch besteht er aus Streusalz und Splitt, welches wegen des viel zu warmen Winters nicht benötigt wurde. Dresdens Finanzbürgermeister Hartmut Vorjohann (CDU) zu diesem Blog: “Wir mussten das Material verbauen. Wenn wir es bis zum kommenden Jahr aufgehoben hätten, dann wären keine Mittel für Neuinvestitionen im Stadtetat abgeflossen. Damit hätten wir unseren Haushaltsüberschuss nicht mehr kaschieren können und der Finanzminister wäre mit den Zuschüssen heruntergegangen. So haben wir für den Ferdinand-Berg sogar noch 40 Prozent EU-Subventionen bekommen.”

Auf dem Berg wird ein Aussichts-Café mit Blick ins Rathaus entstehen. Eine kleine Bergbahn soll zwischen Bergkuppel und Karstadt-Terrassen hin und her pendeln. Die FDP grübelt noch, ob sie dem Bau zustimmen will. Immerhin sei noch nicht geklärt, ob der neue Berg auch eine breite Zubringerstraße erhalten soll. “Nur ÖPNV – mit Schwebebahn und solchem Schnickschnack –  ist für uns nicht drin”, sind sich FDP-Chef Zastrow und der Dresdner Jan Mücke, nebenbei auch FDP-Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, einig.

Februar

Wieder reisen mehrere tausend Nazis nach Dresden, um die Stadt mit gutdeutschem Gedächtnis-Kult zu überziehen und so zu verhindern, dass laut darüber debattiert wird, warum Dresden 1945 von den Alliierten zerstört wurde. Die Politik will das friedliche Gedenken von Dresdnern und den Protest gegen die Nazis dieses Jahr  effektiv unterstützen: Sie verteilt an zentralen Zugangspunkten eine Million Wegwerf-Handys – gegen Abgabe von Namen, Geburtsdatum, Anschrift, Beruf, Parteizugehörigkeit und anderen unwichtigen Daten. Dresdens Polizeipräsident: “Wir können damit sicher stellen, dass sich nicht wieder Bürger beschweren, weil wir ihre Daten erfassen. Denn diesmal sind es ja unsere Handys.” Außerdem könnten durch die Telefone viel leichter alle Gespräche kontrolliert und zurückverfolgt werden – da ja schon bekannt ist, wem sie gehören. “Damit sind wir 2012 schneller und effektiver als 2011!” Der FDP-Justizminister frohlockt bereits, dass in diesem Jahr mindestens drei linke oder rechte Straftäter – “ist eh alles gleich” – und damit dreimal mehr als im Vorjahr durch die Telefonüberwachung ins Netz gehen könnten!

März:

Wird eigentlich gar nicht mehr genutzt: Die S-Bahn in Dresden.

Wird eigentlich gar nicht mehr genutzt: Die S-Bahn zwischen Dresden und Meißen.

Nachdem die Bahn AG seit mehr als fünf Jahren die S-Bahn-Gleise von Dresden nach Meißen erneuert hat, muss der Bau nun gestoppt werden. Eine Bahnsprecherin: “Wir müssen die Gleisanlagen noch einmal neu bauen, werden jetzt Flüstergleise verwenden.” Vorteil, wie der Name sagt, die S-Bahnen rollen flüsterleise durch die Stadt. Nachteil: Die Baumaßnahmen ziehen sich nun bis zum Jahr 2021. Kein Problem für die Bahn: Die Kundenzahl nimmt ohnehin ständig ab, da durch ein ausgeklügeltes System Bahnen einfach nicht fahren bzw. willkürlich einen eigenen Fahrplan nutzen. Daher reicht der einspurige Ausbau völlig aus. Die FDP-Fraktion im Stadtrat vermutet, dass die Bahn 2021 gar keine Kunden mehr hat und fordert, dass das Geld vom Bund für den Neubau lieber gleich in eine neue Autobahn nach Meißen gesteckt wird. Der Dresdner Jan Mücke, nebenbei auch FDP-Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium: “Individualverkehr hat oberste Priorität. Jeder kann über seine Steuererklärung viel Geld für sein Auto vom Staat zurückerhalten, wenn wir endlich ein einfacheres, gerechteres und niedrigeres Steuersystem für Autos haben!”

April:

Die Spitze des "Dresden ONE" - 1206 Meter soll der Sandsteinbau werden.

Nur die Spitze des "Dresden ONE": 1206 Meter soll der Sandsteinbau hoch werden.

Sechs Stunden debattiert der Stadtrat um die Zukunft des “Wiener Loches” am Ende der Prager Straße. Dann ist der Antrag von SPD, CDU und Linken durch: Ein Hochhausriese wird neben dem Hauptbahnhof errichtet. “Dresden ONE” soll 1206 Meter hoch werden – und damit an die Gründung der Stadt im Jahr 1206 erinnern. Leider müssen für den Bau die gelungenen Gebäude der VVK und des Schuhhauses weichen. Die betroffenen Ladengeschäfte sollen in den unteren Kelleretagen des “Dresden ONE” einen “neuen attraktiven Platz” finden – heißt es in der Baubroschüre.

Die Grünen signalisieren bereits zu Beginn der Debatte Zustimmung, da der seltene Grün-Sperber nun doch nicht über dem Hauptbahnhof gesichtet wurde. Die aufrechten NPD-Abgeordneten wollen zwar den Bau, aber den Namen verhindern und fordern “August 1″. Sie werden von den anderen Fraktionen niedergestimmt, da August der Starke alle Kriege verloren hat und die Stadt Dresden keinen Verlierer als Namenspatron dulden will.

Auch die CDU hat in ihren eigenen Reihen heftige Widerstände auszuräumen. Immerhin ist der Hochhausturm, in den neben der  Operette auch das Technische Rathaus einziehen soll, ja “höher als die Frauenkirche”, nörgelt CDU-Rat Lars Rohwer. Und damit würde die historische Silhouette Dresdens zerstört werden. Die Kompromisslösung: Der “Dresden ONE” wird in Sandsteinoptik gebaut.

Einzig die FDP stimmt geschlossen gegen den Bau des Wolkenkratzers: “Es ist keine Straße, daher können wir diesem Schwachsinn nicht zustimmen und wollen dafür keine Steuergelder ausgeben. Die gehören übrigens ohnehin nicht dem Staat, sondern den Menschen”, sagt Dresdner Jan Mücke, Ex-FDP-Stadtrat und nebenbei auch noch FDP-Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium.

Mai:

Grazil und nett anzuschauen: Die überarbeiteten Füße der Waldschlösschen-Brücke.

Dresden bewirbt sich um den Titel “Kulturhauptstadt Europa” im Jahr 2019. Ab diesem Datum wird es in Europa wieder nur eine Kulturhauptstadt geben. Dresdens Ex-Interims-OB und Nun-Wieder-Nur-Wirtschaftsbürgermeister Dirk Hilbert (FDP): “Wir sind einmalig, deshalb wollen wir auch ganz alleine Hauptstadt werden.” Man habe es gar nicht nötig, sich mit anderen Städten “im Schlepp zu bewerben.” Zum Beweis, dass Dresden auch ein Herz für moderne Kunst hat – den Ausrutscher mit dem Klokino will der Blog jetzt hier nicht erwähnen-, bewirbt sich die Landeshauptstadt mit der architektonisch gelungenen Waldschlösschenbrücke. Hilbert: “Kein Mensch in Dresden vermisst den uns frech aberkannten Unesco-Welterbetitel. Wenn wir 2019 erst einmal Kulturhauptstadt sind – und daran besteht ja wohl kein Zweifel -, kann die Welt sehen, was für tolle schlanke Füße unsere Brücke hat!”

Die FDP-Fraktion beantragt, dass in den Bewerbungsunterlagen auch auf das von ihr erarbeitete, eingebrachte und beschlossene “Dresden ONE” hingewiesen werden soll.

Juni:

"Königsautobahn": Alle Spuren und Seitenstreifen sind für Autos befahrbar.

"Königsautobahn": Alle Spuren und Seitenstreifen sind für Autos befahrbar.

Der seit Jahrzehnten geplante Ausbau der Königsbrücker Straße kommt in greifbare Nähe! Nachdem die 23. Version des Bauplanes vom Stadtrat noch im April abgelehnt wurde, frohlockt die FDP nun hoffnungsvoll: Dem Stadtrat liegt die neueste Vorlage vor, in die endlich alle Forderungen von Wirtschaftsminister Morlok (FDP) eingearbeitet worden sind. Die Straße wird zur Autobahn “A 4 plus” (“Königsautobahn”) ausgebaut. Störende Elemente wie Straßenbahnen, Fuß-, Radwege oder Vorgärten werden nicht mehr berücksichtigt. “Damit haben wir eine direkte Schnellverbindungsstraße zum neuen Dresden ONE am Wiener Platz”, so die FDP-Fraktion, deren Mitglieder bekanntlich zu den glühendsten Fans des neuen Wolkenkratzers zählen.

Nur die anderen Parteien nörgeln wieder. Die FDP-Fraktion lässt es auf einen Bürgerentscheid ankommen: “Wenn wieder nur die Hälfte hingeht, davon die Hälfte nicht weiß was sie abstimmt und die Hälfte von denen wiederum das Kreuz aus Versehen falsch setzt, dann kann der Bau noch vor Ende des Jahres beginnen”, so der Dresdner Jan Mücke, nebenbei auch FDP-Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, der bereits ein Bürgerbegehren organisierte.

Juli:

Radebeul wird eingemeindet! Gegen den heftigen Widerstand der kleinen Gemeinde am Rockzipfel Dresdens, wird der Eingemeindungsvertrag unterschrieben. Die Landeshauptstadt wächst damit auf knapp 600 000 Einwohner. Dresdens OB Helma Orosz (CDU): “Dieser Schritt war schon lange überfällig!” Immerhin arbeiten 80 Prozent der Radebeuler in Dresden, die DVB lassen ihre Straßenbahnen und Busse in Radebeul rollen und selbst die Dresdner Telefon-Vorwahl wird seit Jahren frech in Radebeul mitbenutzt. 30 vermögende Radebeuler haben sich bereits ein Penthouse im “Dresden ONE” gesichert und mussten für den Kauf keine Mehrwertsteuer zahlen. “Danke FDP!” steht deshalb am Bauzaun des Wolkenkratzers. Denn die Liberalen haben im Stadtrat durchgesetzt, dass als “Willkommensgeschenk” allen investitionswilligen Ex-Radebeulern die Steuern gestrichen werden.

August:

Außen DDR-Waben, Innen Sandstein: Die neue Altmarkt-Galerie II. startet hab Weihnachten durch!

Außen DDR-Waben, Innen Sandstein: Die Altmarkt-Galerie II. startet bald durch!

Der neue Betreiber der Centrum-Galerie (ECE) – es ist bereits der achte, der versucht, die erst zwei Jahre alte Galerie zum Laufen zu bringen – verbreitet Optimismus. In seiner Pressemitteilung schreibt er zu den Plänen, die bis zum Jahresende umgesetzt werden: “Die Galerie wird heller und freundlicher werden.” Die metallenen Ornamente an den Wänden werden abmontiert und durch sandsteinfarbenen Putz ersetzt: “So wünschen sich die Dresdner eben eine Galerie!” Außerdem sollen Grünanlagen mit Bäumen, Sträuchern und Blumen eingebaut werden. Die hohen Decken sollen abgehangen werden, damit der Bau etwas beengter wirkt. Neue Mieter sind Pimkie, Orsay und Yves Rocher. Pünktlich zum Beginn des Weihnachtsgeschäftes wird dann auch endlich der Name der Galerie in “Altmarkt-Galerie II” geändert.

Die FDP-Fraktion fordert einen modifizierten Zugang zum Parkhaus: “Die Zufahrtsstraße muss breiter und weitläufiger werden. Für ein Gebäude in unmittelbarer Nähe zum Dresden ONE ist die bisherige Garagenzufahrt einfach zu klein!”

September:

Einer der schicken Fußgängertunnel. FDP-Mann Mücke: "Der widerlegt das Gerücht, wir würden nur Geld für Autos ausgeben!"

Einer der schicken Fußgängertunnel. Mücke: "Der widerlegt das Gerücht, wir würden nur Geld für Autos ausgeben!"

Der Bau des “Dresden ONE” zieht immer mehr Schaulustige in die Stadt. Der Dr.-Külz-Ring ist zur Dauerstaufalle geworden. Die Grünen fordern die sofortige Sperrung der Innenstadt für Autos. Die rettende Idee, damit trotzdem noch Autos ins Zentrum dürfen, kommt von der FDP-Fraktion. Der Dresdner Jan Mücke, nebenbei auch FDP-Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, der jedes Straßenband in Sachsen durchschneiden darf: “Wir bauen ein Tunnel für Fußgänger!” Zwischen den beiden Altmarkt-Galerien bis zum Ferdinand-Berg soll so der Autoverkehr überirdisch ungestört fließe können. Einkäufer und  Touristen können durch Kellergänge zwischen den Galerien pendeln. Fußgänger, die tatsächlich nicht shoppen wollen, erhalten einen direkten “Trichter” zwischen Waisenhausstraße und Prager Straße.

Oktober:

Der Elbepark wird erweitert! Endlich hat der Stadtrat, auf energischen Druck der FDP-Fraktion hin, die Erweiterung des Parks beschlossen. Aus knapp 40 000 Quadratmetern Einkaufsspaß an der Autobahn sollen nun 80 000 werden! “Damit sind wir endlich wettbewerbsfähig”, freut sich der Centermanager. In den Bauplänen, welche wieder von der Stadt nicht richtig gelesen wurden, steht allerdings nicht nur etwas von mehr Einkaufsfläche und “ein paar tausend Quadratmetern Bürofläche”. Dass noch 10 000 Quadratmeter für neue Parkplätze in Elbnähe bebaut werden sollen, bemerken die Räte erst nach der Zustimmung.

November:

Die kleine Hufeisennase (3) stürzte sich an der Brücke zu Tode - nun droht der Abriss!

Die Hufeisennase (3) stürzte sich an der zu Tode - nun droht der historische Wiederabriss!

Zwei Tage vor der Eröffnung der Waldschlösschenbrücke verhängt das Verwaltungsgericht einen sofortigen Baustopp! Die Markierungsarbeiten werden daraufhin eingestellt. Bauarbeiter Thomas Laue zu diesem Blog: “Jetzt ruht hier alles. Die Eröffnung kann ohne Straßenmarkierung nicht stattfinden.”

Grund für die Gerichtsentscheidung: Eine kleine Hufeisennase (Name d. Red. begann) prallte in der Nacht gegen einen Brückenpfeiler und starb beim unglücklichen Aufschlag auf das gemähte Elbufer. Eilanträge diverser Umweltschutzverbände beim Gericht erwirkten den Baustopp. Der Richter: “Wir beraten jetzt eigentlich nur noch, ob die Brücke sofort abgerissen werden muss oder als ‘Mahnmal wider der Vernunft’ stehen bleibt.”

Der Dresdner Jan Mücke, nebenbei auch Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium: “Wir lassen uns von dieser Maus die Elbquerung nicht kaputt machen. Auch diese sinnlose Selbstmordattacke ändert nichts daran.” Die FDP will nun, wo der historische Wiederabriss der Brück droht, den Tunnel am Waldschlösschen-Areal bis zur Synagoge auf der anderen Elbseite ziehen. So schafft sie ganz nebenbei eine weitere Schnellverbindung zum “Dresden ONE”. Immerhin hatte die FDP nie etwas anderes vor als so schnell wie möglich aus allen Richtungen der Stadt den 1206 Meter hohen Wolkenkratzer zu erreichen. “Wo die Querung endet ist schließlich egal. Uns geht es nur um’s Prinzip: Wir wollen die Querung! Wir haben damals den Bürgerentscheid gewonnen.”

Dezember:

Hunderttausende Europäer stürmen die Innenstadt: In der "Altmarkt-Galerie II" gibt es nicht einmal mehr Mehl im Konsum.

Hunderttausende stürmen die Innenstadt: In der "Altmarkt-Galerie II" gibt es nicht einmal mehr Mehl im Konsum.

Die Weihnachtshauptstadt Dresden wird gestürmt – diesmal sind es nicht Russen und Tschechen: Hunderttausende Italiener, Griechen, Spanier, Portugiesen und Briten strömen über die im Bau befindliche “Königsautobahn” in die Landeshauptstadt. Sie alle fliehen vor dem drohenden Weltuntergang am 22. Dezember und den erwarteten Wassermassen in ihrer Heimat. Allerdings fällt der Weltuntergang aus, der bekanntermaßen ja erst am 5. November 2013 stattfinden wird. Die vielen Zugereisten, die Asyl in den ersten 24 Stockwerken des “Dresden ONE” gefunden haben, shoppen wie von Sinnen. Die “Altmarkt-Galerie II” zählt zum ersten Mal seit ihrer Eröffnung über 1000 Kunden am Tag.