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Schlussverkauf bei ARD und ZDF

19. September 2010

Jetzt geht es den Öffentlich-Rechtlichen endlich an die Zöpfe! Die ARD selbst will sich bei ihren digitalen Programmen EinsPlus, EinsExtra und EinsFestival beschränken. Mindestens ein Sender, wenn nicht sogar zwei oder alle drei, sollen gekippt werden. Ein Anfang, aber nur ein Halbherziger. Besser wäre: Das öffentlich-rechtliche System gründlich zu  en(d)müllen! Das ZDF müsste ebenso Kanäle abknipsen, die Dritten-Programme sollten ihren Betrieb einstellen!

ARD, Eins Plus, Eins Extra, Eins Info, Eins Festival, BR, BR-alpha, HR, MDR, NDR,  RB, RBB, SR, SWR, WDR, DW, ZDF, 3sat, Phoenix, ARTE, KI.KA, ZDF, ZDFinfokanal, ZDF-NEO, ZDFtheaterkanal – dazu kommen noch die HD-Sender ARD HD, ZDF HD, arte HD und die Regionalfenster auf dem NDR, WDR, MDR, RBB, BR, SWR… Wir sind, wohlgemerkt, nur beim Fernsehen der Öffentlich-Rechtlichen (ÖR).

Zuviel? Aber Hallo! Und jeder Sender hat noch diverse Radiosender und Webseiten… Offenbar haben dies nun die ARD-Oberen selbst entdeckt und grübeln, ob man zumindest bei den Digitalen einen oder mehr Sender kippen kann. “Es wird intensiv darüber nachgedacht”, heißt es von der ARD. Genau festlegen will man sich aber nicht. Es wäre ein erster Schritt. Aber auch pure Augenwischerei. Denn die Digitalen der ARD sind nur die Resteverwertung der größeren Sender – Dauerwiederholungen ohne Pause, meist bequemt man sich nicht einmal, die alten Senderkennungen zu entfernen. 2,5 Millionen Euro soll ein Kanal im Schnitt pro Jahr kosten. Nichts, im Vergleich zu den gigantischen Summen, die die ÖR für ihre Hauptsender ARD und ZDF ausgeben.

Eine Reform könnte ganz anders aussehen: Weg mit den dritten Programmen! Klar, jetzt käme ein ritualisierter Aufschrei. Die Rundfunkfreiheit wäre in Gefahr und überhaupt, die regionalen Informationen würden zusammenbrechen. Doch Stopp! Das Kicken der Dritten geht natürlich nur mit einer radikalen Programmreform in den Hauptsendern. Die ARD würden auf das beschränkt und beschnitten, wofür sie gegründet wurde – als Sammelbecken der Dritten. (Meine folgenden Beispiele kommen über den MDR, könnten aber 1:1 auf alle anderen übertragen werden. Wohl gemerkt, es sind nur einige Gedanken. Je länger man darüber nachdenkt, um so mehr würde man finden.)

Wie könnte dann eine ARD aussehen: Morgens kommt Bildungsfernsehen statt Telenovela. Das würde dem Grundversorgungsauftrag endlich wieder entsprechen. Mittags Information mit dem Mittagsmagazin. Nachmittags folgt Kinderprogramm. Ab 16 Uhr schaltet die die ARD auseinander – in die Regionen. Nun übernehmen die Regionalsender. Sie bringen im MDR-Gebiet den Sachsenspiegel, Hier nach Vier, MDR-aktuell und andere Sendungen, die regionale Relevanz haben. Um 20 Uhr schalten sich die ARD wieder zusammen zur Tagesschau. Anschließend gibt es einen Film. Danach die Politmagazine. Und anschließend kommt noch einmal die Tageschau/Tagesthemen. Dann, gegen 23 Uhr, schaltet die die ARD wieder auseinander und bringt noch einmal regionale Programme und Informationen.

Letztlich “verlöre” die ARD ihre Boulevardprogramme (etwa Brisant), Takshows und Vorabendserien. Ein Verlust! Mit Nichten. Denn all dies ist weder Grundversorgung, wofür Gebühren gezahlt werden. Noch macht die ARD da etwas besser als die Privaten. Im Gegenteil, sie hechelt ohnehin in diesem Bereich den Privaten nach. Doch warum? Wegen der Quote?! Wieder Quatsch: Denn die ARD muss nicht auf Quote schielen. Sie erhält durch die GEZ ihr Geld, muss daher nicht in einen ruinösen Wettbewerb (für beide Seiten) mit den Privaten treten. Und erst recht muss sie keine Quiz-Sendungen ausstrahlen, wo GEZ-Millionen verspielt werden!

Das ZDF sollte auch auf seine Grundversorgung zurückgefahren werden. Morgens Kinder- und Bildungsfernsehen, mittags- und nachmittags Kultur, Theater, Reportagen. Abends Unterhaltung, Reports, Filme und anderes. Aber im Wechsel mit der ARD. Nicht so, wie zur Zeit! Denn an einem klassischen Samstag-Abend sind die ÖR für Menschen unter 60 unschaubar: Volksmusik im Ersten, ein alter Schinken im 2. und im MDR eine Uraltwiederholung oder ebenfalls seichte Schlagerparaden. Wofür wird da eigentlich noch GEZ kassiert?

Die digitalen Kanäle könnten auf einen einzigen je Sender (EinsExtra und ZDFneo) verschmolzen werden. Dort könnten Informationen, Politmagazine und andere Dinge zeitversetzt wiederholt werden, um sie zu anderen Tageszeiten auch denen präsentieren zu können, die zur Erstausstrahlung Arbeiten waren oder schon im Bett lagen. 3sat und Arte sollten zu einem Sender fusionieren – die Kooperation mit den Franzosen könnte trotzdem fortgesetzt werden. BR-alpha gehört hingegen sofort eingestampft – da es bisher bereits zwei Kultursender gibt! Auch die Zukunft des KiKa sollte überdacht werden, wenn Kinderprogramm wieder in die Grundversorgung von ARD und ZDF aufgenommen wird.

Es geht mir nicht um das Abschaffen von hochwertigen Programmen. Das Gegenteil ist der Fall: Die ÖR müssen sich wieder auf ihre Hauptaufgabe, die Grundversorgung konzentrieren. Ständige Dauerwiederholungen, Kopien der privaten Anbieter und verknöcherte Strukturen tragen nämlich nicht zur Vielfalt, sondern zum Einheitsbrei der ÖR bei. Klare Profile fehlen. Damit machen sie die ÖR aber selbst überflüssig und immer wieder angreifbar für Gegner der GEZ und auch gegenüber den Privaten, die das ÖR-System komplett in Frage stellen.

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